Viele Hände, schnelles Ende.

Dies war eindeutig ein Tag mit mehreren Höhen und Tiefen – der magische Dienstag. Ich hatte sehr viele Fahrer – meistens hatten sie zwei Hände am Lenkrad.

Als Priscyllia mich an der Raststätte verabschiedete knurrte mein Magen ungemein und ich wusste, ich muss etwas essen bevor ich in das nächste Auto steige, sonst würde ich unter Umständen den Fahrer fressen.

Natürlich war alles unheimlich teuer und ich entschied mich für ein Baguette ohne alles, was nur 1,2o kostete und ein paar Kekse mit Kaffee für 4,50. Ich hätte lachen können, verkniff es mir aber in der Hoffnung, das mich jemand mitnehmen könnte. Zwei geschlagene Stunden später, nahm mich ein geiler Typ aus Mali mit nach Lyon, leider wieder zu weit in die Stadt hinein. Natürlich hatte ich aus der Erfahrung in Straßbourg nicht gelernt und es kostete mich 6 Stunden von Lyon nach Vienne, in der Zeit hatte ich vier Fahrer und zwei davon waren relativ komisch. Könnte auch daran liegen, weil ich kein Französisch und sie kein Englisch sprachen. Vienne ist übrigens wunderschön direkt an der Rhône gelegen mit viel historischer Architektur.

Von Vienne nahm mich Sebastian mit bis kurz vor Orange, 100km vor Montpellier. Die Fahrt mit ihm war „trés drôle“. Wir quatschten die ganze Zeit, er gab mir was zu trinken aus, auf die Kosten seines Chefs. Er bot mir sogar an einen zu drehen, er war mega hilfsbereit und nett. Es war schon dunkel, als er mich auf der Raststätte raus ließ. Ich gönnte mir einen Burger und versuchte dann 3 Stunden lang im Dunkeln zu trampen, was sich als schlechte Idee heraus stellte.Culinaryhitchhiker Tipp N°4: Gerade im Dunkeln ist es umso wichtiger auf die Menschen zuzugehen und zu fragen, ob sie einen mitnehmen, da so das menschliche Gewissen auf eurer Seite ist und dem Fahrer die Entscheidung einfacher fällt. Ich wollte mir gerade einen Schlafplatz auf der Raststätte suchen, weil das Trampen scheiterte, als mich ein Mann mit meinem Schild „Montpellier“ sah und fragte, ob er mich mitnehmen solle. Ich war unendlich glücklich von dieser Raststätte wegzukommen. Auf dem Weg erzählte er von seinen Kindern und als er erfuhr, das ich noch nicht weiß, wo ich schlafen werde, rief er seinen Sohn an, erzählte ihm von mir und fuhr mich schließlich zu ihm. 

Er lebte mit 3 Mädels in einer friedlich wirkenden WG, in einem Haus in dem man sich nur wohlfühlen konnte. Als ich reinkam und mit den anderen am Tisch saß, war es bereits 23.30 Uhr und ich war so sprachlos, wie der Tag verlief. Ich merkte meinen Kiefer flattern, wie ich es sonst nur von nächtlichen Tanzveranstaltungen kannte, wenn einen das Glück packt. Sie machten Musik, hatten einen Couchsurf Gast, es war ein sehr spiritueller Ort mit viel kreativen Aufgaben und Arbeiten. Überwältigt von all den Eindrücken durfte ich auf der Couch schlafen und bis zum nächsten Morgen bleiben. Wir frühstückten, qutschten und tranken Kaffee. Valentin fuhr mich noch zu einem guten Platz zum trampen, um nach St. André zu kommen, wo ich meinen Freund Fabrice suchen wollte, den ich 13 Jahre nicht gesehen hatte. Culinaryhitchhiker Tipp N°5: besucht Menschen, die ihr lange nicht gesehen habt und geht ihnen ein wenig zur Hand. So freut man sich nicht nur über das Wiedersehen, sondern es entsteht auch ein durchaus wertvoller Benefit für alle Beteiligten.

Es dauerte seine Zeit, bis ich sein abgelegenes Grundstück am Fluss l´Herault wieder fand. Hier ist viel Natur, viel Ruhe, aber auch nur eine Stunde mit dem Bus nach Montpellier. Eine sehr interessante, schöne Stadt mit vielen jungen und schönen Menschen.

Fortsetzung folgt…