„In der Bewegung liegt die Kraft.“

Es ist Dienstag und ich reise heute nachmittag ab, um wieder ein Stück mehr in den Süden zu kommen. Barcelona wird mein nächstes Etappenziel. – Back on the Road, dachte ich mir.

Ja! – langsam fühle ich mich in der neuen Umgebung wohl. Es waren 5 spannende Tage hier und ich freue mich sehr auf die, die noch ausstehen. Es ist einfach geil jeden Tag etwas neues zu sehen und andere Erfahrungen zu machen, mit anderen Menschen, mit anderen Verhältnissen, mit anderen Tagesabläufen und Rhythmen.

Zu Beginn meiner Zeit bei Fab (wie wir Fabrice nennen) war es ein neuses unbekanntes Gefühl für mich, denn hier lebt es sich ein bisschen anders. Fab ist Straßenkünstler, Akrobat, Jongleur, Schauspieler, Tänzer. Er tourt mit seinem Spektakel auf vielen Teilen der Erde. Zu finden sind sie im Internet unter https://cie-alambic.fr/fr/ . Sie machen eine Super Show, ein Exquisiter Hingucker für jede größere Veranstaltung und er ist immer auf der Suche nach neuen Künstlern – egal mit welchen Fähigkeiten, bestellt ihm einfach schöne Grüße. Ein Zitat von ihm: „In der Bewegung liegt die Kraft.“ Culinaryhitchhiker Tipp N°6: „In der Bewegung liegt die Kraft.“ Er ist Franzose, aber er spricht super deutsch. Wir lerneten uns in Deutschland kenn. Ich war zwei, als er als Künstler zu uns auf den Hof kam, um sich ein paar anderen anzuschließen. Ein bunt gemischter, verrückter Hof mit verschiedensten Lebensgemeinschaften.

Er lebt auf einem Grundstück, mit einem kleinen Haus, das im Moment als – nun ja, ich nenn es mal Garten umfunktioniert wurde. Er hat sich aus einem großen Bus und vier Wohnwagen einen Lebensraum geschaffen, der gut tut. Kein Geräusch abends, nur Natur und keine Wecker, Zeiten oder Termine. Das Leben hier, es entsteht einfach, ohne dass viel vorrausgeplant werden muss. Daran muss sich ein Mensch erst wieder gewöhnen, wenn man aus dem immer gehätzten Berufs – Leben – Kreislauf heraus kommt. Jetzt bin ich schon ein paar Tage in meiner Rolle als Tramper und es gefällt mir ungemein. Ich kann es erst nach und nach beschreiben. Es ist wie ein Film. Er bewegt sich vor einem her, man kennt ihn noch nicht, aber man kann sich immer mehr ausmalen, welchen Verlauf er nehmen könnte. Hier lebten wir zusammen, stehen morgens auf, trinken Kaffee. Dann arbeiten wir eine Weile, machen das Frühstück, arbeiten wieder etwas, dann gibt es meistens nochmal Kaffee, dazu „un petit Keks“ oder „un petit Zigarette“, danach quatschen ohne Ende, lecker kochen und gut schlafen. Es sei denn, man hat anderes vor, dann macht man einfach andere Dinge.

Am Freitag versuchte ich abends in Montpellier einen Job zu finden, hatte ich natürlich vercheckt nach dem letzten Bus zurück zu schauen. Nun stand ich abends in Montpellier – auch etwas angeheitert – weil das mit der Jobsuche nicht so erfolgreich war. Criss hatte es ja prophezeit. Es war ein riesen hin und her, ich latschte endlos lang mit einem lächeln, über meine eigene Leichtsinnigkeit durch die Gassen. Ein Zimmer kostete 38 Euro, die ich auch gut, in etwas Bier sowie Eintritt für eine der schon ziemlich geilen Tanzveranstaltungen, hätte investieren können. Welcher junge Mensch tut das nicht?Culinaryhitchhiker Tipp N°7: Gebt niemals 38 Euro für ein be********** Hotelzimmer aus, wenn es nicht unbedingt sein muss. Erkennt die Gelegenheiten, die dadurch enstehen können und genießt es. Ein paar Bier gekauft, meinen Rucksack mit all meinem Kochutensilien, Messern, Paletten, Pinzetten, Kochjacke, etc. auf einem leerstehenden Parkplatz versteckt und vor einen Club mit dem Genre „Elektro-Swing“ etwas Zeit verbracht. Im Laufe des Abends sollte die Musik noch zu super minimal und zu Drum´n´Bass wechseln – Mega! Vor dem Club lernte ich Tibo und ein paar andere lustige, liebe Menschen kennen. Wir feierten die ganze Nacht bis die Sonne schien und wir Nass geschwitzt waren. Ich durfte sogar noch in der WG auf der Couch pennen und morgens mit ihnen Tee trinken. Gegen 13 Uhr machte ich mich auf dem Weg zurück, weil das mit dem Bus keine einfache Sache sein wird.

Von Tag zu Tag kommt man mehr an, man findet sich zurecht und kann dadurch die Zeit mehr genießen, habe ich das Gefühl. Gestern arbeiteten wir den ganzen Tag, hier ist immer etwas zu tun, meistens draußen, umgeben von der Natur. Abends, als es dunkel war, zündeten wir aus den Holzabfällen, die wir beseitigt hatten, ein riesiges Feuer an und tranken mit Thierry, einem Freund von Fab, Wein. Später gab ich Fab noch etwas als Dankeschön für sein Bemühen, das er sicher gut gebrauchen kann. Culinaryhitchhiker Tipp N°8: Hört aufmerksam zu und beobachtet ein bisschen, ihr findet schon etwas, was sich als Dankeschön für all die kostenlose Verpflegung, die Unterkunft, die kleinen Tricks und die Erfahrung eignet.  Es war nicht teuer und auch nicht billig. Es ist achteckig, hat einen Deckel und es ist ein echter Mehrwert für die Menschen, die so etwas mit sich tragen. Auf meiner Rückreise werde ich wiederkommen. Viel lachen, ihn noch ein bisschen unterstützen und etwas lernen. Eine Terasse bauen kann ich schonmal.

Fortsetzung folgt…