Gegen Männlichkeit. Gegen Unsicherheit.

Diesen Beitrag schreibe ich für die zahlreichen Studenten, die am Donnerstag letzter Woche, lautstark und mit viel Aussagekraft demonstrierten. Es gab 2 zentrale Themen, warum sie an diesem Tag auf die Straße gingen. Sie demonstrierten gegen das spanische Bildungssystem und die Gleichstellung der Frauen in den Schulen und Universitäten. Es war eine friedliche Demonstration.

Also Donnerstag „morgen“ circa 12.15 Uhr. Ich war gerade aufgewacht und schlenderte aus der Tür des Hostels in Valencia, um eine Zigarette zu rauchen und einen Kaffee zu trinken. Ziemlich schnell fielen lauter Polizeiwagen auf, die auf der Straße parkten. Es dauerte nicht lange, sodass man auf einmal laute Gesänge, aus mehreren Megafonen und Pfiffe, aus den Mündern verschiedenster Menschen hören konnte. Irgendwie schien ich noch nicht ganz wach zu sein, dachte ich. Nachdem dann aber die erste Gruppe von Menschen passierte und die zweite von mindestens 4 oder 5 großen Menschentrauben an mir vorbei kam, realisierte ich die vielen jungen Menschen, die für etwas einzustehen schienen. Ich weiß nicht was es war, aber ich fühlte mich mit ihnen verbunden und konnte nicht anders, als mitzulaufen. Ich rief hinter mich, dass ich mit gehe, denn meine beiden netten und freakigen Zimmergenossen aus England, die halbnackt am sonnigen Fenster standen, taten in diesem Moment etwas Überrascht. Ich joggte zu einem jungen Mann, der mich einige Sekunden zuvor ziemlich sympathisch anlächelte. Ich fragte ihn nach dem Grund für diese Menschenmassen, alle schienen in meinem/unserem Alter zu sein.

Er und seine Freunde und Freundinnen schilderten die Situation in spanischen Universitäten. Momentan ist es so, dass die Menschen, die studieren möchten, eine große Last zu tragen haben. Sie müssen fast Vollzeit arbeiten, haben ihren studentischen Pflichten nachzugehen und bekommen, wenn überhaupt 300 Euro pro Monat innerhalb der Regelstudienzeit. Die spanische Regierung möchte dieses Geld nun kürzen, statt die Bildung und damit die Zukunft der kommenden Generation zu sichern. Gleichzeitig bekommen aber die privaten Schule und Universitäten eine Menge Geld von dem Staat. Eine Gleichung, die für mich nicht aufgeht. Des weiteren sind Frauen und Mädchen in Universitäten wohl nicht mit den Männern gleichgestellt, das betrifft die Benotung, sowie den pädagogischen Umgang mit dem jeweiligen Geschlecht. So wie ich das verstanden habe, ist das mit deutschen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Die Engländer – ihr erinnert euch? Aus dem Fenster. Sie kamen uns hinterher, komischerweise immernoch halbnackt, was nicht schadete bei den ganzen Tattoos. Zusammen liefen wir ein ganzes Stück und sangen mit, was wir mitsingen konnten, bis schließlich auf einem Platz ein Klassik Konzert statt fand. Es war vor dem Regierungsgebäude, da wo sich alle Menschen versammelten. Sie hielten Reden – Eine gute Stimmung in der Sonne, mit diesen ganzen Menschen, die immerzu Spaß haben.

Ich bitte um Nachsicht, wenn ich an dieser Stelle eine kleine Geschichte erzähle.
In der Geschichte der kubanischen Revolution gab es 2 Hauptaktivisten, die die marxistisch-leninistische Ideologie verbreiten wollten, Fidel Alejandro Castro Ruz und Ernesto Rafael Guevara de la Serna, mit dem Spitznamen Che. Besser bekannt unter Fidel Castro und Che Guevara. Castro war der ältere und hatte schon vor ihrem Kennenlernen versucht Baptista zu stürzen, der die Bauern und Arbeiter im Lande unterdrückte. Nachdem Castros Versuch jedoch scheiterte floh er nach Mexiko. Dort lernten die beiden sich kennen und brachen schließlich mit einigen Männern Richtung Kuba auf. Wie die Geschichte zeigt, war auch der Zweite Putsch nicht von Erfolg gekrönt, da die Kubaner von der Revolte Wind bekamen und die meisten der 86 Männer getötet oder gefangen genommen wurden, als sie an Land gingen. Die üblichen Guerillas, unter anderem Castro und Che konnten in den Djungel fliehen, um nach einem anderen Weg, für ihre gefährliche Aktion, zu suchen.
Ihr großer Vorteil war, dass zur damaligen Zeit am meisten verbreite Medium – das Radio. Zu Beginn hatten sie einen Sendestation mit einer Reichweite von nur ein paar Kilometern, nach ein paar Wochen bauten sie sich eine zweite Radiostation, eine dritte und so weiter. „Radio Rebelde“ ging von da an regelmäßig auf Sendung und erzählte der Arbeiterschaft die 100%ige Wahrheit über Baptista und seine machtbesessene Regierung. – Ein sehr wichtiger Faktor. Nachdem Baptistas Glaubwürdigkeit langsam aber sicher den Bach runter ging und sich mehr und mehr Menschen den Rebellen anschlossen, begannen sie damit in die Dörfer zu gehen, um Ihnen lesen und schreiben beizubringen. Noch heute können in Kuba 97% der Bevölkerung lesen und schreiben, somit liegen sie im internationalen Vergleich zum Beispiel vor Portugal. Das Vertrauen wuchs und auch die Bereitschaft der Arbeiter, die sicheren vier Wände zu verlassen und wirklich für etwas einzustehen ggf. zu kämpfen. Partizipation eines der Schlagwörter, wenn man über Che und seine Art zu handeln nachdenkt.
Baptista war bereits besiegt, als die Soldaten begannen zu den Rebellen überzulaufen, weil sie nicht mehr gegen ihr eigenes Volk kämpfen wollten. Denn wir wissen, Empathie entsteht am schnellsten und am stärksten für die eigene Gesellschaft.

Außerdem ist zu erwähnen, dass danach auch Fidel Castro nicht der optimale Regierungschef für Kuba war und Che sich unter Castro eher weniger ehrenvollen Aufgaben widmete, bevor er sich wieder dem Freiheitskampf verpflichtet sah und nach Honduras aufbrach.

Meine Tage in Valencia sind bald gezählt. Ich entschied mich, nicht nach Almeria zu fahren. 3 lange Artikel und ein Wikipedia-Eintrag über das „Mar del plastico“ in El Ejido, nahe Almeria, haben mich nachdenklich gemacht. Es wird wohl nichts an der angespannten Lage vor Ort ändern, wenn ein Wicht wie ich, dort mal „hallo“ sagen geht. Es trägt auch nicht zu meiner Zufriedenheit bei. Die Meisten sind sich einig – diese Gewächshäuser machen keinen Sinn – weder für die Arbeiter, noch für die Natur, die Stadt el Ejido oder die Betreiber. Einzig und allein für die Großhändler mitteleuropäischer Lebensmittelketten, sowie deren Profit.

Also…Fortsetzung folgt…